{"id":3522,"date":"2020-04-16T18:00:00","date_gmt":"2020-04-16T16:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wuhlesyndikat.de\/wordpress\/?p=3522"},"modified":"2020-04-16T12:46:41","modified_gmt":"2020-04-16T10:46:41","slug":"quarantaene-fuer-den-fussball-geisterspiele-sind-keine-loesung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wuhlesyndikat.de\/wordpress\/quarantaene-fuer-den-fussball-geisterspiele-sind-keine-loesung","title":{"rendered":"Quarant\u00e4ne f\u00fcr den Fu\u00dfball &#8211; Geisterspiele sind keine L\u00f6sung!"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Frage, wann und in welcher Form wieder Profifu\u00dfball gespielt werden\ndarf, wurde in den vergangenen Tagen und Wochen viel diskutiert. In der nach\nwie vor teils un\u00fcbersichtlichen gesellschaftlichen Situation wurden von\nverschiedenen Akteuren eine Vielzahl ethischer, epidemiologischer und anderer\nArgumente ins Feld gef\u00fchrt. Im Folgenden m\u00f6chten wir uns, als bundesweiter\nZusammenschluss der Fanszenen und mit Blick auf die DFL-Vollversammlung, zu dem\nThema \u00e4u\u00dfern:<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wiederaufnahme des Fu\u00dfballs, auch in Form von Geisterspielen, ist in der\naktuellen Situation nicht vertretbar \u2013 schon gar nicht unter dem Deckmantel der\ngesellschaftlichen Verantwortung. Eine baldige Fortsetzung der Saison w\u00e4re\nblanker Hohn gegen\u00fcber dem Rest der Gesellschaft und insbesondere all\ndenjenigen, die sich in der Corona-Krise wirklich gesellschaftsdienlich\nengagieren.Der Profifu\u00dfball ist l\u00e4ngst krank genug und geh\u00f6rt\nweiterhin in Quarant\u00e4ne.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir vertreten die klare Position, dass es keine Lex Bundesliga geben darf.\nFu\u00dfball hat in Deutschland eine herausgehobene Bedeutung, systemrelevant ist er\njedoch ganz sicher nicht. Beschr\u00e4nkungen, die f\u00fcr vergleichbare Bereiche der\nSport- und Unterhaltungsindustrie gelten, m\u00fcssen auch im Fu\u00dfball Anwendung\nfinden. In einer Zeit, in der wir alle sehr massive Einschr\u00e4nkungen unserer\nGrundrechte im Sinne des Gemeinwohls hinnehmen, ist an einen Spielbetrieb der\nBundesligen nicht zu denken. Wenn seit Wochen \u00fcber einen Mangel an Kapazit\u00e4ten\nbei CoVid-19-Tests berichtet wird, ist die Idee, Fu\u00dfballspieler in einer extrem\nhohen Taktung auf das Virus zu untersuchen, schlicht absurd. Ganz zu schweigen\nvon der Praxis eines Fu\u00dfballspiels mit Zweik\u00e4mpfen, eines&nbsp;normalen&nbsp;Trainingsbetriebes\nin Zeiten von Versammlungsverboten und&nbsp;eines gemeinsamen Verfolgens\npotenzieller Geisterspiele durch Fans.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Rede von gesellschaftlicher Verantwortung und Pl\u00e4ne f\u00fcr exklusive\nTestkontingente (\u00fcber 20.000 St\u00fcck) f\u00fcr den Profifu\u00dfball passen nicht zusammen.\nWir verstehen, dass Vereinsfunktion\u00e4re durchaus rechtliche Verpflichtungen\nhaben, im Sinne des finanziellen Wohls ihres Vereins zu handeln. In einer\nSituation jedoch, in der die gesamte Gesellschaft und Wirtschaft vor enormen\nHerausforderungen stehen, ist es f\u00fcr uns nicht nachvollziehbar, dass offenbar\ns\u00e4mtliche Bedenken hintenangestellt werden, wenn es darum geht, den\nSpielbetrieb m\u00f6glichst lange aufrechtzuerhalten, bzw. erneut zu starten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz offensichtlich hat der Profifu\u00dfball viel tieferliegende Probleme. Ein\nSystem, in das in den letzten Jahren Geldsummen jenseits der Vorstellungskraft\nvieler Menschen geflossen sind, steht innerhalb eines Monats vor dem Kollaps.\nDer Erhalt der Strukturen ist vollkommen vom Fluss der Fernsehgelder abh\u00e4ngig,\ndie Vereine existieren nur noch in totaler Abh\u00e4ngigkeit von den\nRechteinhabern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage, weshalb es trotz aller Millionen keinerlei Nachhaltigkeit im\nProfifu\u00dfball zu geben scheint, wie die Strukturen und Vereine in Zukunft\nrobuster und krisensicherer gemacht werden k\u00f6nnen, wurde zumindest \u00f6ffentlich\nnoch von keinem Funktion\u00e4r gestellt. Das einzig kommunizierte Ziel ist ein\nm\u00f6glichst schnelles ,,Weiter so!\u2018\u2018, das jedoch lediglich einer \u00fcberschaubaren\nZahl an Beteiligten weiterhin \u00fcberragende Eink\u00fcnfte garantiert. Das Gerede von\nzigtausenden Jobs halten wir schlicht in den meisten F\u00e4llen f\u00fcr einen Vorwand,\nweiterhin exorbitante Millioneneink\u00fcnfte f\u00fcr wenige extreme Profiteure zu\nsichern.&nbsp;Dies zeigt sich auch in der absoluten Unt\u00e4tigkeit des DFB, im Hinblick\nauf den Fu\u00dfball unterhalb der 2. Bundesliga. Dass Geisterspiele hier viel\nst\u00e4rkere Folgen h\u00e4tten, als in den Ligen der DFL, wird ausgeblendet. Hauptsache\ndas \u201ePremiumprodukt\u201c kann weiterexistieren. Hier wird der DFB seiner Rolle\nnicht nur nicht gerecht, er zeigt auch wiederholt, wessen Interessen er\nvertritt.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit Jahren fordern Fans Reformen f\u00fcr eine gerechtere Verteilung der\nTV-Einnahmen und kritisieren die mangelnde Solidarit\u00e4t zwischen gro\u00dfen und\nkleinen Vereinen. Wir weisen auf Finanzexzesse, mangelnde R\u00fccklagenbildung und\ndie teils erpresserische Rolle von Spielerberatern hin. Die Gefahr der\nAbh\u00e4ngigkeit von einzelnen gro\u00dfen Geldgebern haben wir anhand von Beispielen\nwie 1860 M\u00fcnchen, Carl Zeiss Jena und anderen immer wieder aufgezeigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4testens jetzt ist es aller h\u00f6chste Zeit, dass sich Fu\u00dfballfunktion\u00e4re\nernsthaft mit diesen Punkten auseinandersetzen. Die jetzige Herausforderung ist\nauch eine Chance: Die Verb\u00e4nde sollten diese Krise als solche begreifen und die\nStrukturen des modernen Fu\u00dfballs grundlegend ver\u00e4ndern. Es ist h\u00f6chste Zeit!<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Zusammenhang fordern wir:<\/p>\n\n\n\n<p>-Der aktuelle Plan der DFL, den Spielbetrieb im Mai in Form von\nGeisterspielen wieder aufzunehmen, darf nicht umgesetzt werden. Wir ma\u00dfen uns\nnicht an, zu entscheiden, ab wann der Ball wieder rollen darf. In einer\nSituation, in der sich der Fu\u00dfball auf diese Weise so derma\u00dfen vom Rest der\nGesellschaft entkoppeln w\u00fcrde, darf es jedoch nicht passieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&#8211;<\/strong>Eine sachliche Auseinandersetzung mit der aktuellen Lage muss\nforciert und eine Abkehr vom&nbsp;blinden&nbsp;Retten der TV-Gelder vollzogen\nwerden. Auch ein m\u00f6glicher Abbruch der Saison darf kein Tabu sein, wenn die\ngesellschaftlichen Umst\u00e4nde es nicht anders zulassen. In diesem\nFall&nbsp;sollten&nbsp;nicht nur Horrorszenarien in Form von drohenden Insolvenzen&nbsp;skizziert&nbsp;werden,\nsondern L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten in Form von F\u00f6rderdarlehen, erweiterten\nInsolvenzfristen und anderen Kriseninstrumenten, denen sich auch die restliche\nWirtschaft stellt, diskutiert werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>-Eine kommende L\u00f6sung muss maximal solidarisch sein. Es darf unter den\nVereinen keine Krisengewinner &#8211; und verlierer geben. Die Schere zwischen\n,,gro\u00df\u2018\u2018 und ,,klein\u2018\u2018 darf nicht noch weiter auseinandergehen. Ausdr\u00fccklich\nschlie\u00dfen wir damit auch die Vereine der dritten Liga und der Regionalligen mit\nein, f\u00fcr die Geisterspiele ohnehin keine Option sind.<\/p>\n\n\n\n<p>-Die Diskussion \u00fcber grundlegende Reformen, um den Profifu\u00dfball nachhaltiger\nund wirtschaftlich&nbsp;krisensicherer&nbsp;zu gestalten, muss jetzt beginnen.\nSie darf nicht nur von Fans und Journalisten gef\u00fchrt werden, sondern ist die\nzentrale Aufgabe der Verantwortlichen&nbsp;der&nbsp;Clubs und Verb\u00e4nde.Strukturen\nund Vereine m\u00fcssen auf einen finanziell und ideell sicheren Boden zur\u00fcckgeholt\nwerden. Dabei muss die 50+1-Regel weiterhin unber\u00fchrt bleiben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Phase einer von der restlichen Gesellschaft komplett entkoppelten Fu\u00dfballwelt muss ein Ende haben!<br> <\/p>\n\n\n\n<p>Die Fanszenen Deutschlands im April 2020 <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Frage, wann und in welcher Form wieder Profifu\u00dfball gespielt werden darf, wurde in den vergangenen Tagen und Wochen viel diskutiert. In der nach wie vor teils un\u00fcbersichtlichen gesellschaftlichen Situation wurden von verschiedenen Akteuren eine Vielzahl ethischer, epidemiologischer und anderer Argumente ins Feld gef\u00fchrt. 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