12.12.2020

Auf ein Wort, Herr Rummenigge…

von Wuhlesyndikat in Allgemein

Sehr geehrter Herr Rummenigge,

herzlich willkommen im Stadion an der Alten Försterei! Unserem Wohnzimmer. Nur ohne uns. Sie hingegen sind jetzt schon das zweite Mal hier und sehen Ihren FC Bayern gegen den 1. FC Union Berlin in diesem schönen Stadion spielen. Wir hatten diese Gelegenheit noch nicht. Ist halt nur privilegierten Personen gestattet. Sei`s drum. Sie sind ja auch nicht irgendwer. Vorstandsvorsitzender der FC Bayern München AG. Ehrenvorsitzender der Vereinigung der europäischen Fussballvereine (ECA). Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande und des Bayerischen Verdienstordens. Also im Grunde der König der Bundesliga. Mit dem FC Bayern haben Sie als Spieler und später als Funktionär unzählige Meisterschaften, DFB-Pokale, Champions League-Titel und weiß der Geier was noch alles gewonnen. Zuletzt die Meisterschaft 8-mal hintereinander. Verrückt. Wir haben mal den FDGB-Pokal gewonnen, 1968 oder waren z. B. mal Gruppensieger im Intertoto Cup, 1986. In einem Land, dass es heute gar nicht mehr gibt.

Und dennoch spielen wir heute gegeneinander. In derselben Liga. Aber irgendwie auch nicht. Geben Sie`s zu, Sie müssen schon ein bisschen schmunzeln, während Sie das lesen und sich unten auf dem Rasen diese Unioner gegen Ihren FC Bayern abrackern. Oder mit anderen Worten: 60 Millionen Euro Marktwert gegen 895 Millionen. Oder 600.000 Euro durchschnittliches Spielergehalt gegen 7,2 Millionen. Oder 35 Millionen Euro Medienerlöse gegen 256 Millionen. Das ist schon niedlich, gell? Dabei ist doch immer die Rede von einem fairen Sport?! Aber damit ist wohl nur gemeint, dass unsere Rumpelfußballer ihren Millionen-Investitionen nicht die Goldbeinchen kaputttreten. Da brauchen Sie heute keine Angst haben, der gute Andrich hat sein Pulver schon an die Blauen verschossen.

Aber wir wollen hier auch keine Neid-Debatte lostreten. Keiner hier ist traurig, dass Union nicht um die Meisterschaft spielen kann. Darum geht es nicht. Jedoch hat jeder von uns ein Gerechtigkeitsempfinden in sich. Wir wachsen in einer Gesellschaft auf, die jahrzehntelang bemüht war (jedenfalls wahrt sie diesen Anspruch), einen Ausgleich zwischen arm und reich zu finden. In der auch Benachteiligte eine lebenswerte Existenz erhalten sollen. Eben keine Gesellschaft, in der nur die Starken das Sagen haben und die Richtung bestimmen. Aber auch unser Land ist im Umbruch. Solidarität und soziale Gerechtigkeit stehen auf der Kippe, zugunsten von Konsum und ewigem Wachstum. Die vielzitierte Schere zwischen arm und reich klafft so weit auseinander wie nie zuvor und gesellschaftliche Stände verfestigen sich. Wer arm aufwächst, bleibt arm. Wer aus reichem Hause kommt, braucht nicht viel tun, um reich zu bleiben.

Oh, sind wir vom Thema abgekommen? Nein, sind wir nicht. Genau das Gleiche gilt auch für den Fußball. Wir wollen einen fairen Sport, in dem es rein um sportlichen Wettbewerb geht. Wer weniger Mittel zu Verfügung hat, soll mehr Unterstützung bekommen. Wer viel von allem hat, gibt den anderen etwas ab.

Nur so wird das Spiel wieder interessant, nur so gewinnt der Sport wieder an Faszination. Wer hat, mit den selben Mitteln wie die anderen, die besten Spieler für sich gewinnen können? Wer hat den besten Trainer, das beste sportliche Konzept, die beste Taktik oder die schlausten Trainingsmethoden? Der soll am Ende auch gewinnen. Das wäre unsere Vorstellung von einem fairen Sport.

Aber, lieber Karl-Heinz, wem erzählen wir das eigentlich? Seit Jahren blocken Sie alle Bestrebungen ab, die Bundesliga und Ihre Vereine wirtschaftlich näher zueinander zu bringen. Sie drohen den Klubs, sich alleine zu vermarkten, falls sie gegen den Status Quo opponieren wollen. Sie suchen demonstrativ den Schulterschluss mit Oligarchen und Investoren, um deutlich zu machen, wie wenig Interesse Sie am Fußball und den Menschen, die den Fußball lieben, haben.

Die Verteilung der Fernsehgelder ist seit der Einführung stetig zu Ihren Gunsten verändert worden. Und eigentlich geht’s gar nicht um die Erlöse der DFL. Die Bundesliga ist doch nur die Eintrittstür für das richtig große Geschäft in Europa. Da wollen Sie hin! Und am liebsten da bleiben. In Turin, Barcelona oder Paris ist es halt viel schöner, als sich in Paderborn, Bielefeld oder im Osten Berlins den Hintern platt zu sitzen.

Herr Rummenigge, jetzt stehts bestimmt schon 3:0 für Ihre Bayern. Das ist doch langweilig. Seien Sie ehrlich und sagen Sie es endlich: Sie wollen die Super-Liga! Nur noch große Spiele und große Vereine, teure Spieler und Mega-TV-Einnahmen. Das ist ok. Ehrlich.

Jetzt, wo es raus ist, ist‘s auch gar nicht so schlimm. Dieses jahrelange Verleugnen – das ist doch nicht gut für die Seele. Und hey, wir haben wirklich nichts dagegen. Nehmen Sie doch gleich Dortmund und Leipzig mit. Hoffenheim und Wolfsburg gleich noch hinterher. Und Leverkusen. Aus der 2. Liga dürfen dann 6 Mannschaften aufsteigen. Dann schafft es vielleicht auch der HSV wieder hoch. Egal. Wir verteilen alle Fernsehgelder auf alle Profivereine gleichermaßen und dann haben wir wieder Spannung, aber auch finanzielle Sicherheit in allen 3 Ligen.

Also für uns wäre das ok. Geben Sie sich einen Ruck! Gleich ist Pressekonferenz und eh wieder irgendwer was Langweiliges zu Lewandowskis 5 Toren sagen muss, hauen Sie einen raus: Der FC Bayern geht in die Super-Liga und blockiert keine Reformen der TV-Vermarktung mehr!

Ach, und eine Sache noch, für die Sie wohl nur bedingt etwas können. Stichwort neuer Verteilerschlüssel für die Fernsehgelder. Klar ist, dass insbesondere Ihr FC Bayern übermäßig bevorteilt bleiben wird. Ähnliches gilt für die anderen „Top-Adressen“ der ersten Liga. Das Ganze hat weiterhin nichts mit einer gerechten Verteilung zu tun und insbesondere die Vereine der 2. Liga bleiben weiterhin benachteiligt! Wenn das eine der im Frühjahr groß angekündigten Reformen sein soll, können wir allen nur `ne gute Nacht wünschen!

Und falls Sie noch eine Anregung benötigen, wie denn eine gerechte Verteilung in Ansätzen aussehen könnte, können wir Ihnen nur unseren im Programmheft zum Heimspiel gg. Mainz erschienen Beitrag ans Herz legen.

So verbleiben wir herzlichst und mit besten Grüßen!

Ihr Wuhlesyndikat 2002

…vorrangeganger Beitrag erscheint auch im heutigen Programmheft zum Spiel gegen den FC Bayern, wo wir derzeit immer mit einem Text zu aktuellen Themen rund um den Profifußball Stellung beziehen. Wie ihr an das Programmheft, trotz Geisterspielen, herankommt, erfahrt ihr hier.


28.11.2020

Von Spruchbändern, Werbebanden und Kommunikatonsfehlern

von Wuhlesyndikat in Allgemein

Hallo Unioner,

jedem geneigten Betrachter mag aufgefallen sein, dass beim letzten Heimspiel gegen Bielefeld kein Spruchband am Zaun vor der Gegengerade hing, wie es die Heimspiele zuvor der Fall war. Mit diesen Spruchbändern gingen wir in der Vergangenheit auf aktuelle Entwicklungen innerhalb des deutschen Fußballs ein und begleiteten den Reformprozess kritisch. Selbiges unterlegten wir auch immer wieder im jeweiligen Programmheft mit ausführlichen Erläuterungen.

Die Gründe für das Fernbleiben eines Spruchbandes am vergangenen Heimspieltag sind vielschichtig. Auf einige werden wir eingehen und diese erläutern. Andere Themen werden wir bewusst nicht ansprechen, da es zur Unionfamilie dazu gehört, Interna vorerst auch nur intern zu besprechen. Keinesfalls möchten wir mit dem Finger auf Andere zeigen oder gar jemanden bezichtigen, sich gegen uns zu wenden oder uns ausspielen zu wollen. Das Zusammenstehen auch in schweren Zeiten ist eines der größten Güter, die wir als Unioner haben.

Das Aufhängen der Spruchbänder war seit Saisonbeginn mit erheblichen Auflagen verbunden und spitzte sich zunehmend zu. Keinesfalls, weil Union nun neue Auflagen für Spruchbänder hat, sondern weil – bedingt durch die pandemische und rechtliche Lage- die Auflagen der DFL immer mehr zunahmen. Diese besagen aktuell, dass keiner aus dem Zuschauerraum von den gekennzeichneten Wegen abkommen darf. Damit ist es unmöglich als Zuschauer an den Zaun zu gelangen, um ein Spruchband aufzuhängen. Ebenfalls ist es natürlich nicht möglich, am Spieltag selbst in den Innenraum zu gelangen. Daher einigten wir uns darauf, das Spruchband immer ca. 8 Stunden vor Spielbeginn anzubringen, sodass auch keiner Gefahr läuft, infiziert zu werden oder es großartige Wellen schlagen könnte. Das war eine bewährte Praktik und keinem eine wirkliche Last. Nachdem Union in die Schlagzeilen geriet, weil ja angeblich keiner auf Abstand achtet und jede erdenkliche Gazette das Thema aufgegriffen hat, schielte natürlich auch das Gesundheitsamt auf die Situation im Stadion An der Alten Försterei. Dieses gab anscheinend zu verstehen, dass sich Union gefälligst an alle Auflagen zu halten habe, sonst könnten sie Zuschauer während eines Spiels vergessen. Die Crux: eine Woche später durfte keiner mehr rein, deutschlandweit. Naja, ungeachtet dessen gingen wir natürlich davon aus, dass wir wie „immer“ unsere Spruchbänder aufhängen können. Die Antwort war aber anders: „Diesen Spieltag ist es nicht möglich, das Spruchband zu zeigen.“ Bamm! Da kam die Schelle. Kein Spruchband? Bei dem so fanfreundlichen 1. FC Union Berlin? Für uns bis dato auch schon undenkbar, doch es ist passiert. Nicht nötig zu sagen, dass bei uns direkt Zorn aufkochte. War es doch unser letztes Zeichen, was wir nach außen geben konnten, die letzte Möglichkeit den Leuten zu zeigen, dass Reformen benötigt werden, ja die letzte Möglichkeit, dem Fan eine fußballpolitische Stimme zu geben. Dennoch war es so. Wo aber lag das Problem? Keiner konnte uns zu diesem Zeitpunkt sagen, weshalb kein Spruchband am Zaun hängen darf und wieso auch Vereinsmitarbeiter, die ja getestet werden, nichts anhängen dürfen. Fragen über Fragen also, wegen einer Sache, die für uns so selbstverständlich ist, wie das Atmen. Die Quintessenz war, dass man auf Seiten Unions tatsächlich auf weiteres Brimborium verzichten will, um das Auge des wachsamen Gesundheitsamtes nicht noch mehr auf die Wuhlheide richten zu lassen. Man hätte dem ganzen Trubel drum herum auf jeden Fall niedriger gehalten, hätte man das direkt kommuniziert. So einfach vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, halten wir nicht für die Art und Weise, wie wir uns unter Unionern begegnen.

Auch am heutigen Spieltag stehen wir vor einem Problem: Da keine Zuschauer ins Stadion gehen können, bleiben Ticketeinnahmen aus. Daraus resultiert auch kein Erlös aus dem Catering und dem Merchandise, logisch. Ebenso aber fehlen Werbeeinnahmen aus Reklame, die für die Stadionbesucher gedacht ist. Ist halt keiner mehr da, der umworben werden könnte. So wird zum Beispiel die Werbung am Stadiondach nicht von TV-Kameras eingefangen. Diese fehlenden Einnahmen muss der Verein in irgendeiner Art und Weise natürlich versuchen zu kompensieren. Diese Kompensation ist eine weitere Werbebande am Zaun der Gegengerade. Auch diese Info traf uns wie eine harte Rechte. Genau dort, wo sonst unsere Zaunfahnen hängen, da wo wir unser letztes Lebenszeichen alle zwei Wochen absenden soll jetzt einfach Werbung hängen?!Das kann doch nicht wahr sein! Auch hier wurden wir vor vollendete Tatsachen gestellt, ohne dass man uns die Chance gab, gemeinsam eine Lösung zu finden. Für uns ist es unstrittig, dass der Zaun ein Instrument und auch ein Medium der Fans ist und nicht die eines Geldgebers. Daher ist uns der Gedanke fremd, das einfach so zu akzeptieren und hinzunehmen. Ebenfalls ist uns aber auch die prekäre Situation des Vereins bewusst, der eine Verantwortung zu tragen hat. So stehen wir -wie so oft in dieser Krise- zwischen den Stühlen. Aber wir fühlen uns auch im Verständnis für unsere Sache sehr im Stich gelassen. Erst recht, wenn man hört, es sei schade, dass auf den Spruchbändern nichts Positives über die Mannschaft zu lesen ist. Dafür machen wir das auch nicht! Wir hängen diese Spruchbänder auf, weil wir die Leute daran erinnern wollen, dass es Zeit für Veränderungen ist. Veränderungen, über deren Notwendigkeit sich im Frühjahr scheinbar noch alle einig waren, die aber bis heute nicht zu sehen sind…

Wir werden weiter bei unserer Haltung bleiben und uns nicht verbiegen, auch wenn Kompromisse dies manchmal vermuten lassen.  Und welche Themen Fans für ihre Spruchbänder aufgreifen, das sollte ihnen auch weiterhin selbst überlassen werden.

Wuhlesyndikat 2002


13.09.2020

Statement zum Heimspielauftakt

von Wuhlesyndikat in Allgemein

Unioner!

Die Bundesliga beginnt wieder und Union ist immer noch dabei! Das ist großartig, aber die Welt befindet sich immer noch im Ausnahmezustand. Maximal 5000 Menschen dürfen in Berlin zu Großveranstaltungen. Somit kann nur ein Bruchteil von uns Unionern ins Stadion. Wir haben uns lange damit beschäftigt, wie wir mit dieser Situation umgehen und uns letztlich entschieden: Wir und die weiteren aktiven Gruppen gehen erst wieder sichtbar ins Stadion, wenn die Zustände normal sind und der Stadionbesuch ohne Einschränkungen stattfindet.

Wir können aber auch verstehen, dass der Verein versucht, soviel Unioner wie möglich zu den Spielen zu lassen. Aber was geschieht mit denen, die draußen bleiben? Mit jenen, die keine Karten im Losverfahren bekommen oder die gar nicht unter den momentanen Bedingungen ins Stadion wollen?

Über die Sommerpause hinweg gab es viele Gespräche innerhalb der aktiven Fanszene, mit den bei Union organisierten Fanclubs und mit weiteren Gruppen und Einzelpersonen aus der Unionfamilie. Dabei wurde deutlich, dass sich viele darüber Sorgen machen, wie wir als Unionfamilie diese Zeit unbeschadet überstehen, wie wir es schaffen, Gemeinschaftserlebnisse zu organisieren, ohne dabei gegen bestehende Regeln zu verstoßen. Und wie wir unsere Mannschaft unterstützen können, wenn wir gar nicht im Stadion sind. Über all das wurde viel gesprochen und nachgedacht. Nun steht das erste Heimspiel gegen den FC Augsburg vor der Tür und wir wollen vor allem optisch zeigen, dass Union spielt und unseren Verein im Stadtbild präsent halten. Dazu rufen wir euch auf:

Holt eure Union-Klamotten aus dem Schrank und tragt Shirt und Trikot mit Stolz, wenn Union ein Spiel austrägt. Egal ob beim Bäcker, in der Kaufhalle oder mit den Kumpels in der Kneipe, schmückt die Straßen in unseren Vereinsfarben und tragt rot-weiß!

Wir wollen so dem Gefühl eines „richtigen“ Heimspiels wieder näher kommen: wenn einem beim morgendlichen Gang zum Bäcker schon der erste Unioner mit Schal und Trikot und einem „Eisern!“ entgegenkommt, man an seinem Heimatbahnhof in die S-Bahn steigt und schon Unioner in der Bahn sitzen, am Ostkreuz alle in die S3 wollen, um nach Köpenick zu kommen und man in Köpenick nur noch rot-weiße Trikots und Schals sieht, alle paar Meter bekannte Gesichter grüßt oder kurz mit ihnen schnackt… …dieses Uniongefühl wollen wir wieder hochleben und uns so durch die schweren kommenden Monate tragen lassen. Egal ob Stadiongänger oder eben nicht.

Wir sehen uns!

Eisern Union!


19.08.2020

Spendensammlung für Kays Familie!

von Wuhlesyndikat in Allgemein

Unioner,

Vor kurzem ist Kay Kunke, vielen als KaffeeKay bekannt, unerwartet verstorben. Kay war jahrzehntelang Unioner, immer streitbar, aber Fan mit Herz und Seele. Wir wollen seine Familie in dieser schweren Zeit unterstützen und sammeln Spenden für die Beerdigungskosten. Da wir aktuell noch nicht abschätzen können, welche Summe benötigt wird, haben wir kein Limit festgelegt. Das überschüssige Geld werden wir einer sozialen Einrichtung/Organisation zugutekommen lassen. Hierüber werden wir zu gegebener Zeit informieren. Gespendet werden kann unter diesem Link: https://www.paypal.com/pools/c/8rOAsDHCar

Vielen Dank und Eisern Union!

Wuhlesyndikat 2002


28.05.2020

In der Krise beweist sich der Charakter

von Wuhlesyndikat in Allgemein

Nein, der Fußball befindet sich in keiner Krise – lediglich das Geschäftsmodell derjenigen kommt ins Wanken, die sich daran eine goldene Nase verdienen. Und nicht erst jetzt, aber aktuell mit voller Wucht, bekommt der Profifußball den Spiegel vor die Nase gesetzt, mit welcher Missgunst ein großer Teil der Bevölkerung auf den Profifußball blickt. Wir nehmen wahr, dass sich das Produkt Fußball eine Parallelwelt erschaffen hat, welche viele Fußballfans mit ausufernden Transfer- und Gehaltssummen, einer unersättlich wirkenden Gier nach Profit, Korruption bei Verbänden sowie dubiosen und intransparenten Beraterstrukturen (2017/18 ca. 200 Mio. €) in Verbindung setzen.


Wiederaufnahme des Spielbetriebs

Wir mögen aktuell nicht beurteilen und abschätzen können, wann ein vertretbarer Zeitpunkt gewesen wäre, den Ball wieder rollen zu lassen. Wir bewerten jedoch das Verhalten der Vertreter des Profifußballs als anstands- und respektlos, sich in der aktuellen Krisensituation derart aggressiv in den Vordergrund zu drängen. Der Gedanke, dass sich mit genügend Geld und ausreichender Lobbyarbeit Sonderwege bestreiten lassen, lässt sich leider nicht von der Hand weisen. Ein Vorpreschen bei der Inanspruchnahme routinemäßiger Screenings erachten wir als anmaßend, würden uns doch dutzende andere Institutionen einfallen, bei denen verdachtsunabhängige Testungen mehr Sinn ergeben würden. Übel stößt hierbei nicht die generelle Inanspruchnahme von Testkapazitäten auf, sondern weil sich der Profifußball eine soziale Relevanz anmaßt und eine Sonderbehandlung bewirkt, die in keinem Verhältnis zur aktuellen gesellschaftlichen Rangordnung steht. 

Wir hätten vielmehr eine Vorgehensweise erwartet, welche der sozialen Verantwortung und der Vorbildfunktion des Fußballs gerecht wird. 

Veränderungen

„Es steht außer Frage, dass künftig Nachhaltigkeit, Stabilität und Bodenständigkeit zu den entscheidenden Werten gehören müssen“. Zwar zeugt die von der DFL getätigte Aussage durchaus von Selbstkritik, zeigt jedoch gleichzeitig auch, nach welchem Maßstab bisher Entscheidungen getroffen wurden und in welchem Ausmaß man von wirtschaftlichen Interessen getrieben wurde. 

Es ist jetzt, und nicht erst nach überstandener Krise, an der Zeit, über konkrete Veränderungen im Profifußball zu debattieren und Entscheidungen zu treffen:

1.       Wettbewerbsfördernde, ligaübergreifende Verteilung der Fernsehgelder

Der aktuelle Verteilungsschlüssel sorgt dafür, dass die Schere zwischen finanziell starken und schwachen Vereinen immer weiter auseinandergeht. Eine gerechtere Verteilung fördert den sportlichen Wettbewerb und steigert die Attraktivität der Ligen.

2.       Rücklagen

Es muss festgelegt werden, dass die Clubs Rücklagen bilden, um zumindest kurzfristige Krisen jeder Art überstehen zu können, ohne direkt vor der Insolvenz zu stehen. Hierbei muss vor allem Rücksicht auf die e.V.-Strukturen genommen und dafür adäquate Lösungen gefunden werden, ohne diese – ebenso wie 50+1, in Frage zu stellen. Schließlich ist der Verkauf von Substanz zur Rettung der Liquidität genau die Denkweise, die zur jetzigen Krise geführt hat. Daher ist der Umstand, dass die 50+1 Regel zum Teil in Frage gestellt wird, aus unserer Sicht vollkommen unverständlich.

3.       Gehalts- und Transferobergrenzen 

Spielern und Funktionären seien weiterhin wirtschaftliche Privilegien vergönnt. Analog zu Transfersummen sollten jedoch auch diese gedeckelt werden, um aktuelle Auswüchse zu stoppen und dem irrationalen und unverhältnismäßigen Wettbieten entgegenzuwirken.

4.       Einfluss durch Berater beschränken

Rund um die Spieler hat sich ein Netzwerk an Profiteuren gebildet, welches für den Sport in keiner Weise produktiv ist. Dieses muss aufgedeckt, reglementiert und eingeschränkt werden.

Wenn man sich auf der Mitgliederversammlung des eigenen Vereins erklären lässt, wie gering der Bruchteil der teils horrenden Ablösesummen ist, der dem eigenen Verein tatsächlich zu Gute kommt, wird schnell sichtbar, dass an diesem System des modernen Menschenhandels einiges nicht stimmen kann.

Zu hoch sind die Beträge, die bei den Transfererlösen bei den Spielerberatern hängen bleiben, deren Handeln im Interesse ihrer Schützlinge oft durchaus angezweifelt werden darf. Hier ist leider zu vermuten, dass oft der Blick auf den eigenen Gewinn, das „Kasse machen“, im Vordergrund steht und Spieler die Clubs öfter wechseln, als das ihrer eigenen sportlichen Entwicklung zuträglich wäre.

Richtig problematisch wird es dann, wenn sich unter den großen Beratungsbüros kartellartige Strukturen bilden, die mit Absprachen unter der Hand die Transferzahlungen in die Höhe treiben. Der freie Markt aus Angebot und Nachfrage ist dann nachhaltig gestört und es entsteht eine Preisspirale, an der der Profifußball kein Interesse haben kann.

Ebenso muss den verschiedenen Investmentfirmen, welche sich an den Rechten der Spielertransfers beteiligen, ein Riegel vorgeschoben werden. Es darf nicht sein, dass sich Privatpersonen unter dem Deckmantel dieser Firmen die eigenen Taschen füllen und die Verbände die Augen verschließen!

Natürlich ist es in Ordnung und Teil des Wettbewerbes Fußball, wenn gute Spieler gute Gehälter erzielen und entsprechende Transfersummen kosten. Spieler sind (leider) auch eine Handelsware. Die Abartigkeiten, die hier aber in den letzten Jahren gewachsen sind, sind nicht Ausdruck eines gesunden Wettbewerbs.

5.       Kader begrenzen

Durch aufgeblähte Spielerkader lagern die Vereine „Kapital“ auf Ihren Auswechselbänken. Manch ein Verein verpflichtet Spieler nur, damit diese nicht für die Konkurrenz auflaufen können und lässt sie dann auf der Bank oder Tribüne versauen. Vereine, die es sich leisten können, blähen ihre Kader künstlich auf. Dem Motto folgend „was ich habe hat schon mal kein anderer“. Das ist natürlich eine Strategie, gegen die Konkurrenten zu arbeiten. Ob sie sportlich ist, steht auf einem anderen Blatt.

Eine Begrenzung der Anzahl an Spielerleihen ist bereits geplant. Dies gilt es, auf die Reduzierung der Profikader auszuweiten Ein beliebiges Aufstocken mit Nachwuchskräften sollte dennoch jederzeit möglich sein, denn würde es rein um die Absicherung gegen Ausfälle gehen, spricht absolut nichts dagegen, Nachwuchsspieler aus den eigenen Reihen hochzuziehen. In diesem Fall zeugt ein großer Kader mit eigenen jungen Spielern von einer nachhaltigen und guten Nachwuchsarbeit. Dies gilt es in Zukunft vermehrt zu fördern.

Ein „Zusammenkauf“ von Profispielern „auf Halde“ ist grundsätzlich abzulehnen. Das wird nicht zuletzt den Spielern nicht gerecht, deren Entwicklung dadurch nachhaltig gestört wird.

Wir werden genauestens verfolgen, ob auf die eigenen Worten der Verbandsvertreter und von Funktionären, den Fußball ändern zu wollen, auch Taten folgen. Schluss mit Ausreden und Heraufbeschwören von Unmachbarkeitsszenarien. Wir erwarten eine lösungs- und keine problemorientierte Herangehensweise mit transparenten Arbeitsschritten.

Fanszenen Deutschlands im Mai 2020


18.04.2020

Weiterer Gabenzaun: Marzahn-Hellersdorf

von Wuhlesyndikat in Allgemein

Auch in Marzahn-Hellersdorf ist nun ein neuer Gabenzaun entstanden. Alle Informationen findet ihr in diesem Flyer bzw. auf dem untenstehenden Bild. “Gib, wenn du kannst – nimm, wenn du brauchst!”


16.04.2020

Quarantäne für den Fußball – Geisterspiele sind keine Lösung!

von Wuhlesyndikat in Allgemein

Die Frage, wann und in welcher Form wieder Profifußball gespielt werden darf, wurde in den vergangenen Tagen und Wochen viel diskutiert. In der nach wie vor teils unübersichtlichen gesellschaftlichen Situation wurden von verschiedenen Akteuren eine Vielzahl ethischer, epidemiologischer und anderer Argumente ins Feld geführt. Im Folgenden möchten wir uns, als bundesweiter Zusammenschluss der Fanszenen und mit Blick auf die DFL-Vollversammlung, zu dem Thema äußern:

Die Wiederaufnahme des Fußballs, auch in Form von Geisterspielen, ist in der aktuellen Situation nicht vertretbar – schon gar nicht unter dem Deckmantel der gesellschaftlichen Verantwortung. Eine baldige Fortsetzung der Saison wäre blanker Hohn gegenüber dem Rest der Gesellschaft und insbesondere all denjenigen, die sich in der Corona-Krise wirklich gesellschaftsdienlich engagieren.Der Profifußball ist längst krank genug und gehört weiterhin in Quarantäne. 

Wir vertreten die klare Position, dass es keine Lex Bundesliga geben darf. Fußball hat in Deutschland eine herausgehobene Bedeutung, systemrelevant ist er jedoch ganz sicher nicht. Beschränkungen, die für vergleichbare Bereiche der Sport- und Unterhaltungsindustrie gelten, müssen auch im Fußball Anwendung finden. In einer Zeit, in der wir alle sehr massive Einschränkungen unserer Grundrechte im Sinne des Gemeinwohls hinnehmen, ist an einen Spielbetrieb der Bundesligen nicht zu denken. Wenn seit Wochen über einen Mangel an Kapazitäten bei CoVid-19-Tests berichtet wird, ist die Idee, Fußballspieler in einer extrem hohen Taktung auf das Virus zu untersuchen, schlicht absurd. Ganz zu schweigen von der Praxis eines Fußballspiels mit Zweikämpfen, eines normalen Trainingsbetriebes in Zeiten von Versammlungsverboten und eines gemeinsamen Verfolgens potenzieller Geisterspiele durch Fans.

Die Rede von gesellschaftlicher Verantwortung und Pläne für exklusive Testkontingente (über 20.000 Stück) für den Profifußball passen nicht zusammen. Wir verstehen, dass Vereinsfunktionäre durchaus rechtliche Verpflichtungen haben, im Sinne des finanziellen Wohls ihres Vereins zu handeln. In einer Situation jedoch, in der die gesamte Gesellschaft und Wirtschaft vor enormen Herausforderungen stehen, ist es für uns nicht nachvollziehbar, dass offenbar sämtliche Bedenken hintenangestellt werden, wenn es darum geht, den Spielbetrieb möglichst lange aufrechtzuerhalten, bzw. erneut zu starten.

Ganz offensichtlich hat der Profifußball viel tieferliegende Probleme. Ein System, in das in den letzten Jahren Geldsummen jenseits der Vorstellungskraft vieler Menschen geflossen sind, steht innerhalb eines Monats vor dem Kollaps. Der Erhalt der Strukturen ist vollkommen vom Fluss der Fernsehgelder abhängig, die Vereine existieren nur noch in totaler Abhängigkeit von den Rechteinhabern. 

Die Frage, weshalb es trotz aller Millionen keinerlei Nachhaltigkeit im Profifußball zu geben scheint, wie die Strukturen und Vereine in Zukunft robuster und krisensicherer gemacht werden können, wurde zumindest öffentlich noch von keinem Funktionär gestellt. Das einzig kommunizierte Ziel ist ein möglichst schnelles ,,Weiter so!‘‘, das jedoch lediglich einer überschaubaren Zahl an Beteiligten weiterhin überragende Einkünfte garantiert. Das Gerede von zigtausenden Jobs halten wir schlicht in den meisten Fällen für einen Vorwand, weiterhin exorbitante Millioneneinkünfte für wenige extreme Profiteure zu sichern. Dies zeigt sich auch in der absoluten Untätigkeit des DFB, im Hinblick auf den Fußball unterhalb der 2. Bundesliga. Dass Geisterspiele hier viel stärkere Folgen hätten, als in den Ligen der DFL, wird ausgeblendet. Hauptsache das „Premiumprodukt“ kann weiterexistieren. Hier wird der DFB seiner Rolle nicht nur nicht gerecht, er zeigt auch wiederholt, wessen Interessen er vertritt.

Seit Jahren fordern Fans Reformen für eine gerechtere Verteilung der TV-Einnahmen und kritisieren die mangelnde Solidarität zwischen großen und kleinen Vereinen. Wir weisen auf Finanzexzesse, mangelnde Rücklagenbildung und die teils erpresserische Rolle von Spielerberatern hin. Die Gefahr der Abhängigkeit von einzelnen großen Geldgebern haben wir anhand von Beispielen wie 1860 München, Carl Zeiss Jena und anderen immer wieder aufgezeigt.

Spätestens jetzt ist es aller höchste Zeit, dass sich Fußballfunktionäre ernsthaft mit diesen Punkten auseinandersetzen. Die jetzige Herausforderung ist auch eine Chance: Die Verbände sollten diese Krise als solche begreifen und die Strukturen des modernen Fußballs grundlegend verändern. Es ist höchste Zeit!

In diesem Zusammenhang fordern wir:

-Der aktuelle Plan der DFL, den Spielbetrieb im Mai in Form von Geisterspielen wieder aufzunehmen, darf nicht umgesetzt werden. Wir maßen uns nicht an, zu entscheiden, ab wann der Ball wieder rollen darf. In einer Situation, in der sich der Fußball auf diese Weise so dermaßen vom Rest der Gesellschaft entkoppeln würde, darf es jedoch nicht passieren. 

Eine sachliche Auseinandersetzung mit der aktuellen Lage muss forciert und eine Abkehr vom blinden Retten der TV-Gelder vollzogen werden. Auch ein möglicher Abbruch der Saison darf kein Tabu sein, wenn die gesellschaftlichen Umstände es nicht anders zulassen. In diesem Fall sollten nicht nur Horrorszenarien in Form von drohenden Insolvenzen skizziert werden, sondern Lösungsmöglichkeiten in Form von Förderdarlehen, erweiterten Insolvenzfristen und anderen Kriseninstrumenten, denen sich auch die restliche Wirtschaft stellt, diskutiert werden. 

-Eine kommende Lösung muss maximal solidarisch sein. Es darf unter den Vereinen keine Krisengewinner – und verlierer geben. Die Schere zwischen ,,groß‘‘ und ,,klein‘‘ darf nicht noch weiter auseinandergehen. Ausdrücklich schließen wir damit auch die Vereine der dritten Liga und der Regionalligen mit ein, für die Geisterspiele ohnehin keine Option sind.

-Die Diskussion über grundlegende Reformen, um den Profifußball nachhaltiger und wirtschaftlich krisensicherer zu gestalten, muss jetzt beginnen. Sie darf nicht nur von Fans und Journalisten geführt werden, sondern ist die zentrale Aufgabe der Verantwortlichen der Clubs und Verbände.Strukturen und Vereine müssen auf einen finanziell und ideell sicheren Boden zurückgeholt werden. Dabei muss die 50+1-Regel weiterhin unberührt bleiben. 

Die Phase einer von der restlichen Gesellschaft komplett entkoppelten Fußballwelt muss ein Ende haben!

Die Fanszenen Deutschlands im April 2020


14.04.2020

Jottwede Nr. 9 kommt!

von Wuhlesyndikat in Allgemein

Für das von Mitgliedern unserer Gruppe und ihnen sehr nahestehende Personen erstellte Fanzine “Jottwede” sprechen wir an dieser Stelle mal wieder eine klare Kaufempfehlung aus! Die Ultras waren u.a bei Spielen in Argentinien, Polen, Rumänien, Italien, Israel und im Iran unterwegs…Von ungewöhnlichen Anekdoten über heiße Derbystimmung bis hin zum Spielabbruch ist mal wieder alles dabei. Auf insgesamt 132 vollfarbigen Seiten ist das alles nachzulesen, immer untermalt mit entsprechendem Bildmaterial.

Da aktuell nicht, wie gewöhnlich, im Stadion verkauft werden kann, sind die Macher mehr denn je auf eure Bestellungen angewiesen! Da deshalb mit einem erhöhten Aufwand bei den Bestellungen gerechnet wird, folgt bitte diesem Link (http://bit.ly/jwd9bestellung) und füllt die dortige Umfrage aus. Dies macht es den Machern einfacher den Postversand für euch zu organisieren. Nachdem ihr die Umfrage ausgefüllt habt, melden sich die Macher bei euch persönlich. Bitte habt Verständnis, wenn das nicht umgehend geschieht, die Macher sind bemüht die Bestellungen nach und nach abzuarbeiten und melden sich schnellstmöglich. Kostenpunkt für das Heft sind 3 EUR pro Heft + Versand. Falls ihr Fragen habt, wendet euch gern per Mail an jottwede.redaktion@gmx.de.

Da, die sonst übliche, Leseprobe entfällt, hier mal ein kleiner Einblick in das Heft (Bilder anklicken zum vergrößern):


08.04.2020

Weiterer Gabenzaun entstanden: Königs Wusterhausen!

von Wuhlesyndikat in Allgemein

Auch in Königs Wusterhausen ist heute – unweit des Bahnhofes – ein neuer Gabenzaun durch Initiative der Szene Köpenick, maßgeblich der Sektion 157, entstanden. Alle Informationen findet ihr auf dem untenstehendem Bild oder als PDF auch nochmal hier.

Alle Gabenzäune, deutschlandweit, sind weiterhin hier abrufbar.


06.04.2020

Verzicht: Keine Rückerstattung von Uniontickets!

von Wuhlesyndikat in Allgemein

Vor »